Neue Informatiker braucht das Land

Der Titel ist mir spontan eingefallen in Anlehnung an den Song von Ina Deters: “Neue Männer braucht das Land”. Die neue deutsche Welle hat damals in den Achzigern versucht einem Trend einen Namen zu geben.

Um es gleich vorweg zu nehmen, Informatiker steht in diesem Blog auch für die weibliche Ausführung. In allen Zeitungen wird neuerdings ein Informatikermangel beklagt. Moment mal…. hatten wir das nicht schon mal? Wie war das damals Ende der Neunziger? Gab es damals nicht sogar Vorstöße auf politischer Ebene? In Deutschland bewilligte die Regierung auf Druck der Industrie sogar 50’000 spezial Aufenthaltsbewilligungen für Informatiker aus den nicht EU Raum. Der typisch pragmatische Ansatz der Schweiz (nome ned hetze) hat uns damals vor einer Informatiker Inflation bewahrt. Ich erinnere an den darauffolgenden Zusammenbruch, auch “dot burst “genannt.

Bei einem Gespräch mit Wirtschaftsfachleuten werfe ich ein, dass unser Wirtschaftssystem einem Kollaps nahe sei und nun würden noch Nahrungsmittel Termingeschäfte populär. Darauf erwidern diese: “Man muss nur den Markt spielen lassen. Es gibt noch genug Boden wo wir etwas anpflanzen können und sobald ein Mehrangebot vorhanden ist, sinken die Preise ganz natürlich”. Moment mal, verstehe ich das richtig. Wir lassen den Markt spielen dann regelt sich alles. Ok, wirklich clever diese Wirtschaftsfachleute. Nur dass in der Zwischenzeit Millionen von Menschen an Hunger sterben, passt weniger in die Gleichung.

Zurück zum Thema. Können wir den Informatiker-Markt spielen lassen oder muss korrigierend eingegriffen werden?Wieso ist die Nachfrage so gross, wo doch grosse Entlassungen bei unseren Grossbanken vor der Türe stehen? Fehlen uns die älteren Semester, also jene Generation die Informatik aufgebaut hat und bis jetzt am Leben erhält, weil diese nach und nach in den Ruhestand wechseln? Oder sind es vielleicht jene Firmen die sich plötzlich anders besinnen und dem “In-Sourcing” Trend folgen? Oder sind jene Firmen schuld die uns vor Jahren weismachen wollten, dass alle Informatik in den Osten gehen sollte. Was auch immer die Gründe sein mögen, die Bildungsinstitute sind gefordert. Es geht nicht nur darum mehr Informatiker zu erzeugen, sondern auch den (hohen) Standard beizubehalten. Wie erhalten wir mehr Absolventen? Gibt es plötzlich mehr gescheite junge Leute in der Schweiz? Die Versuchung die Ausbildung weniger intensiv oder leichter erträglich zu machen liegt in der Luft (ein Finanzierungsystem das sich nach Studierendenzahlen richtet tritt diesem Umstand auch nicht gerade entgegen). Dasselbe gilt in der Lehrlingsausbildung. In der Zentralschweiz gibt es noch so viele offene Lehrlingsstellen die nicht besetzt werden können (vorzeitige Abbrüche verschlechtern die Statistik zusätzlich). Vielleicht sind das einfach auch die Auswirkungen der antiautoritären Erziehung oder vielleicht eine Vernachlässigung der heranwachsenden Jugend um sie auf ein bevorstehendes Berufsleben vorzubereiten. Meine Kollegen von der Wirtschaft werfen wahrscheinlich an dieser Stelle wieder ein: “Das gibt sich wieder, Angebot und Nachfrage regelt alles”. Nicht ganz, die Ausbilder und deren Einrichtungen sind ebenso angesprochen wie Politiker. Angepasst Budgets, entschärfte Dozentenpensen und verbesserte Stipendien (von mir aus sogar Leistungsbezogen) wären sicher Diskussionswürdig.

Für mich gibt es nicht spannenderes als Informatik. Vielleicht sollten wir Informatiker ganz einfach mehr die Sprache der jungen Leute sprechen, schliesslich haben wir sie ja erfunden! Web 2.0 Web 3.0, Chats, SMS, MMS, iTunes, You Tube, My Face, Skype, etc. Wir haben die kommende Generation mitbestimmt, die lassen uns nicht im Stich, wir haben nur vergessen wie man mit ihnen kommuniziert. Ob im Grossen (unser Enterprise Lab) oder im Kleinen (Michi’s iPhone) die Informatik macht Spass und ersetzt mir täglich die Spielzeuge. Informatik hat eine grosse Zukunft, wahrscheinlich viel grösser als wir uns bis jetzt vorstellen können. Informatik ist kreativ, zukunftsbestimmend und überall zu jederzeit präsent.

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