Master Studium, gute Idee?

Ich werde immer wieder von Studenten gefragt, ob sich ein zusätzliches Masterstudium lohnt oder nicht. Dazu möchte ich Stellung nehmen. Man könnte sagen, im normalen Berufsleben, wenn jemand nicht gerade in der Forschung arbeitet, fällt ein Masterabschluss nicht ins Gewicht. Während ein(e) Masterstudierende(r) noch an den Büchern sitzt, kann ein Bachelor Abgänger schon eine ganze Stange Geld verdienen. Ist Geld das Wichtigste? Ich habe leider schon gesehen, dass bei Bewerbungen ein Masterabgänger einem Bachelorabsolventen vorgezogen wurde. genauso habe ich in meiner langen Laufbahn auch schon gesehen, dass gerade bei grossen Firmen und Staatsbetrieben interne Beförderungen und Lohnkategorien auf formellen Entscheidungskriterien wie “erreichte Abschlüsse” basieren. Also holt hier der (die) Masterstudierende(r) das beim zusätzlichen Studium verlorene Geld wieder rein, ganz zu Schweigen von den besseren Beförderungsmöglichkeiten. Nun was ist mit all jenen die Müde sind weiter in die Schule zu gehen und endlich ihren Beitrag zur besseren IT Welt beitragen möchten? Sind diese weniger wert auf dem Arbeitsmarkt? Sind das die schlechteren Entwickler? Nein – sicher nicht, die wurden schliesslich von uns ausgebildet, werden sich gut behaupten und unserer Schule zu guter Reputation verhelfen.
🙂

Meine Empfehlung ist folgende: Wenn das Interesse weiterhin zur Schule gehen zu wollen ebenso vorhanden ist wie das Bedürfnis vertieft in ein Spezialgebiet einzutauchen, so sind sie ein Masterkandidat. Wenn sie aber einfach mal in die Industrie* gehen möchten um sich zu orientieren, dann tun sie das unbedingt. Sollte spätere das Bedürfnis entstehen nochmals ein Studium aufzunehmen, können sie das problemlos tun (problemlos ist situationsbezogen, denn wenn sie eine Familie ernähren müssen ist das bestimmt nicht mehr so einfach). Sollten sie aber der Typ sein der ein ständiges Verlangen nach Wissen verspürt, so melden Sie sich bitte umgehend. Das ist mir jederzeit ein Kaffee bei Volker wert, um bei einem lockeren Gespräch ihre Anliegen zu diskutieren.

*Hr Diethelm wird mich hier wieder auf “Wirtschaft” korrigieren, wo es doch dieses Wort in vorliegenden Kontext im Englischen gar nicht gibt… bin nun mal “die hard” Informatiker und demzufolge englisch-orientiert.

4 thoughts on “Master Studium, gute Idee?

  1. Stefan Jäger

    Guten Tag Herr Joho
    Da kann ich Ihnen als ehemaliger HTA Student nicht ganz beistimmen. Klar, als Dozent der HTA müssen Sie ja Werbung für einen Master machen 😉 Aber ich weiss aus guter Quelle, dass ETH-Abgänger mit einem Master in Informatik einen beinahe gleichen Lohn wie wir Ingenieure aus der HTA Luzern erhalten. Der Master hat also nicht direkt einen grossen finanziellen Mehrwert. Vielleicht jetzt schon, da ja die Bachelor Studiengänge Stoffmässig neu strukturiert sind und ja kürzer sind.
    Und was das Lernen angeht: ich denke, dass man in den realen Projekten in 1.5 Jahren bedeutend mehr lernt, als in Projekten an der Schule. Was ich in den jetzigen 4 Monaten in “real life” Projekten gelernt habe, könnte ich auch in 3 Jahren nicht in der HTA Luzern oder an einer anderen Schule lernen. In der Schule lernt man, was es für Strategien gibt, was für Technologien vorhanden sind, aber wie man sie effizient und korrekt einsetzt, kann man nur in Projekten erfahren. Das ist eben Erfahrung. Man lernt, warum etwas Sinn macht und warum man diese oder jene Strategie einsetzt. Und so leid es mir tut, ob man an einem Schulprojekt zu zweit oder in einem grossen Projekt in einem grossen Team und mit einem echten Kunden arbeitet, ist halt doch nicht ganz dassselbe.

    Für mich ist klar, dass der Master im Moment nicht in Frage kommt, da er mir keinen ausser dem Titel keinen “echten” Mehrwert gibt. Mal schauen, ob sich die Meinung in ein paar Jahren noch ändert 😉

  2. Bruno Post author

    Hr. Jaeger

    Es freut mich Ihre kritischen Worte zu lesen und Sie haben natuerlich Recht. Ein Masterstudium ist nicht ein Projekt im Sinne einer industriellen Entwicklung, sondern eine Forschungsarbeit. Der oder die Studierende wird systematisch ausgebildet um eine wissenschaftiche Arbeit selbständig, unter Begleitung ausführen zu können. Die treibende Kraft hinter einer Entscheidung ein Masterstudium zu absolvieren sollte die Neugierde sein, nicht Geld oder Rum :-).

  3. Master

    Wobei Rum auch passt….

    Ich denke, dass die Entscheidung einen Master zu machen eher eine logische Konsequenz aus dem bisherigen Werdegang ist, sicherlich kann und sollte man hier auch einen finanziellen Anspruch nicht wegreden.

  4. Anonymous Coward

    Industrie = Anhäufung von veraltetem, ziemlich hässlichem Code, den man sich nicht ohne die aus den Flugzeugen bekannten Tüten durchlesen möchte. Häufig geschrieben von der Sorte Praktikern, welche Begriffe wie “formaler Parameter”, “funktional” oder “Polymorphie” für praxisfernes Schulwissen halten. Selbstverständlich sind auch noch zahlreiche Dinosaurier unterwegs, die irgendwo zwischen C und C++1990 steckengeblieben sind…

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